Ausgabe 14-20

Black Friday oder 50 Sklaven für jeden von uns

Vorhin habe ich gelesen, dass für jeden von uns 50 Sklaven arbeiten. Und ich dachte, dass ich das richtig nett von denen finde. Einige von ihnen wollen allerdings keine Sklaven mehr sein und dann kann es sein, dass sie auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken. Das ist eigentlich schade. Vielleicht wären sie besser Sklaven geblieben? Ist doch so, oder!? Lieber Sklave als tot.

Wenn ich so drüber nachdenke, dann stelle ich fest, dass für mich vielleicht nur 47 Sklaven arbeiten, für meinen  Nachbarn aber 53. Das ist nicht gerecht. Und Gerechtigkeit muss nun mal sein! Vielleicht sollte ich meinen Sklaven eine Weihnachtskarte schreiben und mich für ihre Selbstlosigkeit und ihr Engagement bedanken? Und ihnen alles Gute wünschen und dass sie noch lange gesund und munter bleiben. Ich versuche mal, ihre Adressen rauszufinden. Wer weiß schon, wo die wohnen?  Der Black Friday ist da wirklich eine tolle Unterstützungsaktion für unsere  Sklaven. Das werde ich auch noch auf die Weihnachtskarte schreiben, dass ich da ganz solidarisch mit ihnen bin und so viel kaufe, bis meine Schränke platzen. Ich brauch das Zeugs zwar nicht, aber wenn ich nichts kaufe, haben meine Sklaven ja nichts davon. Oder!? Also, da sag mal einer, der Kapitalismus sei schlecht. Ich find ihn gut! Und die Sklaven bestimmt auch. Ein Mensch muss einfach das Gefühl haben, dass er gebraucht wird. Und dieses Gefühl geben wir ihnen schließlich. Besonders am Black Friday. Der Tag der gelebten Solidarität! Da gibt ́s ja wohl nichts zu meckern.

Margareta Muer (Köln)