Ausgabe 10/19

Alle Texte von Arnold Illhardt

Nix ist mehr selbstverständlich!

Ich bin kein Kirchgänger und daher natürlich nicht sonderlich versiert in den weihrauchgeschwängerten Dingen. Aber mal abgesehen von Erfahrungen auf Beerdigungsandachten und Hochzeitsmessen drängt sich mir eine deutliche Veränderung auf: Nichts ist so >unsicher<, wie das AMEN in der Kirche. Für absolute Religionsanalphabeten: Mit dem in die Kirche hineingerufenen Wort AMEN bestätigte die Gemeinde früher, dass sie das vom Pastor vorher Gesagte verstanden hat, womöglich gut heißt und – was ja vor allem bei zunehmender Veralterung der Kirchgänger nicht unwichtig ist – auch gehört hat. Und da früher das AMEN eine Art Selbstverständlichkeit war, wurde das „So-sicher-wie-das-AMEN-in-der-Kirche“ zu einer Art allgemeinem Sinnspruch. Genauso – sagen wir – wie: In der Ruhe liegt die Kraft (was ja auch ausgedient hat). Die Gläubigen scheinen nur noch widerwillig vom AMEN Gebrauch zu machen; es hört sich eher wie ein erbärmlich hingeknödeltes Grunzen an.

Es ist ein Zeichen dieser Zeit – Kirche hin, Kirche her – dass gar nichts mehr selbstverständlich ist. Ich will hier nicht in den Früher-War-Alles-Besser-Modus verfallen, weil es zudem auch gar nicht stimmt, aber ich finde, unsere Gesellschaft tendiert seit Jahren in grassierender Weise zu einer echten Arschlochgemeinschaft (der kleine, aber feine Körperteil mag seine Verwendung als Schimpfwort entschuldigen!). Nichts, rein gar nichts, scheint noch in irgendeiner Weise Bedeutung zu haben und mir kommt es inzwischen nicht nur aus den Ohren heraus, wenn das vermeintlich mir übergeordnete System von wie auch immer gearteten Werten faselt. War es früher noch menschlich (man musste gar nicht drüber reden!), Menschen in Not zu retten, kommt es heute darauf an, woher die Menschen stammen und welche Hautfarbe sie haben. Während früher Antifaschismus Ehrensache war, wird es heute von der parteipolitischen Elitetruppe und ihren Schleimschleckern als kriminell gebrandmarkt.

Das was früher sozial, menschlich, christlich, fürsorglich, eben selbstverständlich war, wird heute entweder geringschätzend als „gutmenschlich“ belächelt, oder als linksextremistisch bezeichnet. Und die hochnotpeinlichen Konservativlinge aus den Kartellparteien dienen sich als Cheerleader der neuen Faschismusbewegung in Deutschland an, indem sie wie dressierte Pudel zu völkischen Klängen tanzen. Mit dem Wissen um diese längst nicht mehr schleichende Entdemokratisierung und Entmenschlichung sollten wir den RECHTSsstaat konfrontieren, wo es nur geht.

Möge es unzählige wütende Greta´s für alle Bereiche des menschlichen Lebens geben. AMEN!

Amazon – Konkurrenz verwest das Geschäft

Vor einiger Zeit ließ ich mich in einem kleinen Vortrag zur Eröffnung einer eigenen Ausstellung in nicht sehr schmeichelhafter Weise über Amazon aus. Ein Zuhörer, eigentlich ein kritischer Geist, kam zu mir und beschwerte sich. Amazon sei nicht nur schlecht, sondern er könne seine sehr speziellen CDs, die er in Münster nicht bekäme, so leichter über den Versandgiganten beziehen. Auf meine Frage, ob die Tatsache, dass er seine Musik eben nicht in MS bekäme, eventuell auch etwas mit den Geschäftsgebaren von Amazon zu tun habe, brachte ihn ins Grübeln. Wer schon mal in dem westfälischen Kleinstädtchen Harsewinkel war, weiß wovon ich rede: Ganze Geschäftszeilen sterben aus, weil die Menschen in ihrer unermesslichen Bequemlichkeit, sich den Rotz lieber zuschicken lassen, als dafür in ein Fachgeschäft zu gehen. Als ich eine Buchverkäuferin darauf ansprach, reagierte sie eher verärgert über meine mehr als ausgeprägte Ablehnung bezüglich Amazon. Man könne doch von dem Versand lernen und eben nach neuen Verkaufsstrategien im Online-Sektor nachdenken. Und ein Bekannter, von Hause aus Betriebswirt, wird nicht müde, von Konkurrenz-belebt-das-Geschäft zu faseln. Amazon ist keine Konkurrenz; Amazon ist eine megakapitalistische Form der Monopolisierung. Womit wir wieder bei dem Thema Gleichgültigkeit sind.

Gestern stieß ich bei der „Informationsweglasssendung“ Tagesschau auf einen Beitrag über das 25jährige Bestehen des amerikanischen Unternehmens. Liest man diesen Beitrag drängt sich das Gefühl auf, der Einkauf bei Amazon sei auf jeden Fall o.k.: „Klicken, kaufen, liefern lassen. Entspannt von zu Hause aus. Ohne Menschenmengen, durch die man sich kämpfen muss, ohne Schlange stehen an der Kasse“. Und Jeff Bezos, Chef des Imperiums, der sich mit seiner anfänglichen Garagenidee hochgearbeitet hat, wird als großer Held gefeiert. Aber keine Wort über schlecht bezahlte und hochgestresste Mitarbeiter ohne gewerkschaftliche Anbindung (bezieht sich auch auf die Transportunternehmen wie DPD, GLS, UPS etc.) oder Umweltbelastungen hoch 10 durch Verpackungsmaterial und Transport. Schon mal überlegt, wo der ganze Kisten- und Kartonscheiß bleibt? Das dies keine Sau mehr interessiert ist klar, aber warum wird nicht erwähnt, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr auf Gewinne von 11,2 Milliarden Dollar offenbar keine Steuern gezahlt hat. Alle motzen über die finanzielle Bevorzugung der Reichen „da oben“, spülen ihnen aber mit z.T. schier überflüssigen Bestellungen das Geld in die Kassen. Ich feiere heute meinen 25jährigen Boykott von Amazon, Zalando & Co. Und hey: Ich vermisse nix! Prost!

Ab auf die Straße

Gestern stieß ich bei der „Informationsweglasssendung“ Tagesschau auf einen Beitrag über das 25jährige Bestehen des amerikanischen Unternehmens. Liest man diesen Beitrag drängt sich das Gefühl auf, der Einkauf bei Amazon sei auf jeden Fall o.k.: „Klicken, kaufen, liefern lassen. Entspannt von zu Hause aus. Ohne Menschenmengen, durch die man sich kämpfen muss, ohne Schlange stehen an der Kasse“. Und Jeff Bezos, Chef des Imperiums, der sich mit seiner anfänglichen Garagenidee hochgearbeitet hat, wird als großer Held gefeiert. Aber keine Wort über schlecht bezahlte und hochgestresste Mitarbeiter ohne gewerkschaftliche Anbindung (bezieht sich auch auf die Transportunternehmen wie DPD, GLS, UPS etc.) oder Umweltbelastungen hoch 10 durch Verpackungsmaterial und Transport. Schon mal überlegt, wo der ganze Kisten- und Kartonscheiß bleibt? Das dies keine Sau mehr interessiert ist klar, aber warum wird nicht erwähnt, dass das Unternehmen im vergangenen Jahr auf Gewinne von 11,2 Milliarden Dollar offenbar keine Steuern gezahlt hat. Alle motzen über die finanzielle Bevorzugung der Reichen „da oben“, spülen ihnen aber mit z.T. schier überflüssigen Bestellungen das Geld in die Kassen. Ich feiere heute meinen 25jährigen Boykott von Amazon, Zalando & Co. Und hey: Ich vermisse nix! Prost!

Unsere kleine Enkelin (6 Jahre – fragt man sie, ist sie eigentlich 7) macht eine Woche Urlaub bei uns in Telgte. Da die deutschen Frauen aktuell aus der Fußball-Weltmeisterschaft ausgeschieden sind, ging ich mit ihr auf die Straße vor unserem Haus, um ne Partie Fußball zu spielen. Sportliche Früherziehung! Nun finde ich im wahren Leben zwar Fußball so uninteressant wie ein 3-stündiges Live-Konzert von Phil Collins (wer mich kennt, weiß, was das bedeutet), aber die wesentlichen kickertechnischen Kernbegriffe kenne ich natürlich auch: Blutgrätsche, Foul-Elfmeter, „Schiri, ich weiß wo dein Auto steht“ und nach dem Spiel gegnerische Fans verkloppen. Meine Enkelin war skeptisch, da auf unserer Straße – Einbahnstraße!!! – Autos fahren. Dort wo sie wohnt, ist das Betreten der Straße (eine 50km Zone) schon lebensgefährlich, da ständig Menschen, die chronisch untervögelt sind, AfD wählen oder Aggressionsstaus mit sich rumschleppen (ich vermute, dass hier eine Kombination vorliegt), wie frisch kastrierte Wildschweine über die Straße brettern. Ich erklärte ihr, dass Autofahrer viel zu viele Rechte hätten und wir uns die Straße zurückerobern müssten. Unter der Asphaltdecke liegt der Strand. Oder so ähnlich!

Schon nach den ersten Ballkontakten schob sich eine ältere Dame mit ihrem Boliden an uns vorbei. Ihre Physiognomie hat eh schon immer was von einem Bullmastiffs, angesichts der Straßenokkupation schaute sie noch ne Ecke biestiger. Die Tatsache, das Fahrtempo drosseln zu müssen, schien einige Zeitgenossen tatsächlich nicht zu amüsieren. Statt freundlicher Blicke, wenn ich sie als Seniorfußballer lächelnd vorbeiwinkte, schauten sie bräsig aus der Wäsche, als wollte ich ihnen Wegezoll abverlangen. Nach der ersten Halbzeit kam unser netter Nachbar vor die Haustür. Mensch, das sei ja wie früher, meinte der geborene Telgter. Früher wurde auf der Herrenstraße ständig Fußball gespielt und er zählte die Namen der Hobbykicker aus den Nachbarhäusern auf. Ja, und auch er meinte, dass es schade sei, dass die Straßen nur noch den Autos gehörten, alles zugeparkt sei und mit einer Selbstverständlichkeit die Vorfahrt beansprucht würde. Das war eines dieser Momente, wo mir klar wurde, dass etwas entsetzlich aus dem Ruder gelaufen ist, weil mal wieder keiner aufgepasst hat. Ich plädiere für mehr blechkistenfreie Städte und Fuß-, Feder- und Völkerballfelder auf dem Asphalt. Wenn meine Enkelin älter ist, werde ich mit ihr mal über Straßenbesetzungen nachdenken. Ich spüre da eine gewisse aufkeimende Seelenverwandtschaft!

Denkbar

Seit 2010 befindet sich in der Herrenstraße Telgte die DENKBAR mit Sprüchen, Sätzen oder Zitaten, die wir für überdenkbar halten

Die verrückte und kranke Welt des weißen Mannes. Vieles ist töricht an eurer sogenannten Zivilisation. Wie Verrückte lauft ihr weißen Menschen dem Geld nach, bis ihr so viel habt, dass ihr gar nicht lange genug leben könnt, um es auszugeben. Ihr plündert die Wälder, ich schlachtet Tiere ab, ihr verschwendet die natürlichen Brennstoffe, als kämen nach euch keine Generationen mehr, die all dies ebenfalls brauchen. Die ganze Zeit redet ihr von einer besseren Welt, während ihr immer größere Bomben baut, um jene Welt, die ihr habt, zu zerstören. (Tatanga Mani)

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