Ausgabe 3 – 21

Diese Firmen gehören zu den größten deutschen Waffenlieferanten der Welt. Immer ausgeklügeltere Waffen werden hergestellt, um Menschen zu töten. Damit degradiert sich der Homo Sapiens selbst zu einer erbärmlichen Kreatur. Ich verachte jeden Menschen, der Waffen zum Töten nutzt, verachte Firmen, die diese herstellen und verachte Parteien, die diese Vorgang in zum Teil verdeckter Weise unterstützen. Aber ist es nicht ein Wunder der Verharmlosung und Verheimlichung, dass dieses Mordhandwerk niemanden wirklich interessiert?

Der Auszug von Wolfgang Borchert animierte mich in jungen Jahren, den Kriegsdienst zu verweigern.

Ausgabe 2 – 21

Bilder

Wir sind Augenmenschen und brauchen Bilder

Brauchen sie, um die Welt zu begreifen

Bilder sind Bildung, wenn wir nur wollen

Als Vorbild oder Denkvorlage und

Um uns bestenfalls selbst ein Bild zu machen

Sie können sichtbar machen und gleichzeitig verbergen

Sie können beweisen und gleichzeitig lügen

Bilder faszinieren und schockieren zugleich

Sie regen an und regen auf

Sie inspirieren und steigern die Lust

Manche Bilder drängen sich dem Sehen auf

Während sich andere der Oberflächlichkeit entziehn.

Und immer ist es das Auge, das Bilder macht

Wir haben uns gewöhnt an magische Vielfalt

Merken nicht, wenn dann und wann etwas fehlt

Erst an den Rändern, dann immer mehr

Verfremdet, in den falschen Kontext gestellt

Denn nicht allen ist es recht, dass wir alles sehen

Darum trau deinen Augen und nicht all den Bildern

Sonst schaust du nicht das, was du möchtest

Sondern das, was du sollst.

Arnold Illhardt

Ausgabe 1 – 21

                                                         Amazon

Ah, du hast bei Amazon bestellt? Das ist bequem, nicht wahr? Und so modern!

Aber hast du auch „das Andere“ mitbedacht, das was du mit jeder deiner Bestellung mitfinanzierst?

Du finanzierst einen der reichsten Menschen der Welt, während er seinen Beschäftigten Niedrigstlöhne auszahlt, sie einer ungeheuren Arbeitshetze aussetzt, gewerkschaftliche Betätigungen ahndet und sie obendrein systematisch überwacht.

Du finanzierst das Ausbluten kleinerer Betriebe, die der Konkurrenz nicht mehr gewachsen sind; zudem füttert Amazon kleine Firmen erst an, macht dann bessere Preise, so dass sich normale Betriebe nicht mehr halten können.

Du finanzierst die Monopolisierung durch Amazon, was Preisabsprachen, Qualitätseinbußen und sogar Beeinflussung von Kaufverhalten zur Folge hat. Bei Amazon kaufst du nicht, du wirst gekauft – Stück für Stück.

Du finanzierst mit, dass Amazon in Deutschland Steuerhinterziehung im großen Stil betreibt und obendrein EU-Gesetze durch gezielten Lobbyismus unterwandert. Des weiteren missachtet Amazon Verordnungen zum Schutz der Privatsphäre von Kunden und späht ihre Daten aus. Mit Alexa im Haus ein Kinderspiel!

Du finanzierst die Vermüllung der Welt durch ungeheure Verpackungsberge z.T. aus Einwegmaterial, sowie die Verpestung der Umwelt durch all die Fahrzeuge, die die Kunden beliefern müssen. Früher konnten sie übrigens zu Fuß in ihrer Stadt einkaufen!

Du finanzierst mit, dass Menschen ihr kritisches Kaufbewusstsein über Bord werfen, weil sie sinnlosen Kram nur des Kaufens wegen bestellen, was von dem Online-Giganten geschickt unterstützt und beeinflusst wird.

Du finanzierst mit, dass es künftig keine Betriebe mehr in deiner Stadt gibt, die die Trikots deiner Kinder, das lokale Fest oder den Weihnachtsschmuck finanzieren. Und vergiss einfach, dass Amazon das übernehmen könnte.

Gleichgültigkeit ist so bequem, nicht wahr? Und so modern!

Ausgabe 16-20

Ich habe heute festgestellt, einige Menschen schleichen sich ganz leise und langsam in dein Herz und wenn du dann merkst – oh, da ist jemand, der ist toll – dann gehen sie. jetzt kann man sich fragen: War ich blind oder dumm? Oder man nimmt es hin und denkt sich: Dieser Mensch wollte beim Einschleichen vielleicht gar nicht erkannt werden. So musste ich heute für eine Kollegin, die den Arbeitsplatz wechselt, für das Geschenk aus dem Kollegenkreis ein paar nette Zeilen verfassen. Erst wollte ich die üblichen Floskeln schreiben, aber dann war da dieser kleine Platz im Herz, der gesagt hat: Nein, sie ist viel mehr wert. Also nahm ich einen Block, dachte über unsere Zeit miteinander nach und entdeckte so viele wunderbare Dinge. Ich finde so etwas, wie sich einen Moment für jemand anderes Zeit zu nehmen, verschwindet aus der Gesellschaft. Und das ist verdammt schade.

Jana Falter (Goldenstedt)

Ausgabe 14-20

Black Friday oder 50 Sklaven für jeden von uns

Vorhin habe ich gelesen, dass für jeden von uns 50 Sklaven arbeiten. Und ich dachte, dass ich das richtig nett von denen finde. Einige von ihnen wollen allerdings keine Sklaven mehr sein und dann kann es sein, dass sie auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken. Das ist eigentlich schade. Vielleicht wären sie besser Sklaven geblieben? Ist doch so, oder!? Lieber Sklave als tot.

Wenn ich so drüber nachdenke, dann stelle ich fest, dass für mich vielleicht nur 47 Sklaven arbeiten, für meinen  Nachbarn aber 53. Das ist nicht gerecht. Und Gerechtigkeit muss nun mal sein! Vielleicht sollte ich meinen Sklaven eine Weihnachtskarte schreiben und mich für ihre Selbstlosigkeit und ihr Engagement bedanken? Und ihnen alles Gute wünschen und dass sie noch lange gesund und munter bleiben. Ich versuche mal, ihre Adressen rauszufinden. Wer weiß schon, wo die wohnen?  Der Black Friday ist da wirklich eine tolle Unterstützungsaktion für unsere  Sklaven. Das werde ich auch noch auf die Weihnachtskarte schreiben, dass ich da ganz solidarisch mit ihnen bin und so viel kaufe, bis meine Schränke platzen. Ich brauch das Zeugs zwar nicht, aber wenn ich nichts kaufe, haben meine Sklaven ja nichts davon. Oder!? Also, da sag mal einer, der Kapitalismus sei schlecht. Ich find ihn gut! Und die Sklaven bestimmt auch. Ein Mensch muss einfach das Gefühl haben, dass er gebraucht wird. Und dieses Gefühl geben wir ihnen schließlich. Besonders am Black Friday. Der Tag der gelebten Solidarität! Da gibt ́s ja wohl nichts zu meckern.

Margareta Muer (Köln)

Ausgabe 10-20

Erinnert sich noch jemand an die Schlecker-Geschäfte in fast jeder deutschen Stadt? Für 3 Wochen hing ein Original-Telefonhörer, den ich aus einem alten Schleckerladen gerettet habe, nebst einer Geschichte dazu in „Schreyben & Sehen“. Warum ein Telefonhörer von Schlecker eine besondere Bedeutung hatte und hat, liest man in dem beigefügten Text. Schlecker – pervertierte soziale Marktwirtschaft. Heute haben die Läden andere Namen.